Mildura - VIC - Australien
Mildura - VIC - Australien
Nachdem wir uns von unserem Road Trip ein paar Tage in Melbourne erholen konnten und eigentlich auch nicht viel dort gemacht haben; ein kleines bisschen sightseeing, shopping, rummgammeln und den Genuss eines Aldis (der "german Supermarkt") in fußläufiger Umgebung, mit allerhand Produkten die wir auch von zuhause kennen, mussten wir uns wieder dem Ernst des Lebens zuwenden und uns um einen Job kümmern.
Zunächst haben wir überlegt, dass wir am besten als Nanny arbeiten und haben ganze 5 Bewerbungen rausgeschickt und es hat sich tatsächlich niemand gemeldet :( Dann sind wir wieder zu unserer ursprünglichen Idee zurückgekehrt unser Glück als Erntehelfer zu versuchen.
Unser Couchsurf-Host aus Adelaide, der gute James, hat uns da glücklicherweise mit Insiderwissen versorgt und einem Namen. Auf der Homepage OneBigFamily.com.au finden wir auch die passende Nummer zum Namen und schon haben wir einen Job - Traubenernte heißt der Weg zum Geld. Prima, das ging ja einfach... Doch schnell zeigt sich der Haken an der Sache: Wir haben zwar einen Job, aber Larry, so der Name desjenigen welcher, kann uns keine Betten in seinem Hostel anbieten, da alles voll belegt ist. "Egal" denken wir uns, hauptsache ein Job, ein Bett finden wir schon noch woanders.
Dies stellt sich jedoch schnell als eine absolute Fehleinschätzung heraus. In keinem Hostel, Hotel, Motel oder sonst irgendwas ist noch ein Bett frei alles komplett ausgebucht und zwar von Backpackern die zur Traubensaison als Erntehelfer arbeiten. Uns bleibt keine andere Möglichkeit als ein Zelt zu kaufen, ne schicke Luftmatratze und wir gönnen uns auch noch ne Lampe, damit wir Nachts was sehen können. Für die nächste Woche heißt unsere Adresse River Road Caravan Park irgendwo im Nirgendwo zwischen Mildura und Merbein, Victoria - Australien.
Nachdem alle Vorbereitungen getroffen sind wollen wir die letzten beiden Tage in Melbourne noch genießen bevor es ans Schuften geht.
Als wir uns gerade mit einem leckeren marokkanischen Eintopf zum Mitnehmen vor der State Library auf die Wiese hocken kommt ein Anruf von Larry und der Plan, noch einen weiteren Tag in Melbourne genießen zu können, löst sich in Luft auf. Wir sollen doch früher anreisen, weil der Job einen Tag früher beginnt als geplant.
So geht unser nächster Weg zum Bahnhof Zugtickets besorgen und danach wieder ins Hostel, Sachen packen und am nächsten morgen um kurz nach 7 stehen wir am Gleis und steigen in den Zug nach Swan Hill, um von dort mit dem Bus nach Mildura zu fahren. Von Melbourne aus dauert die Anreise 8 Stunden. Mittlerweile ist es für uns jedoch zur Gewohnheit geworden ständig auf Achse zu sein und somit gehen die 8 Stunden auch schnell herum.
In Mildura angekommen gönnen wir uns das Taxi zum Caravan Park und lernen vom Taxifahrer, dass unser "australian" hervorragend ist und er damit unser mittelprächtiges Englisch meint - aber Danke für die Blumen.
Nachdem wir unser Zelt aufgebaut haben checken wir erst einmal die Lage aus. Küche, BBQ und Pool sind vorhanden. Der Busfahrplan lässt allerdings Böses ahnen. So fährt der öffentliche Nahverkehr zwischen Merbein und Mildura nur 4 mal täglich und der letzte Bus kommt um halb 4. Der nächste Supermarkt ist ca. 3 km entfernt und das Thermometer schreibt 42°. Gut, dass wir in Melbourne nochmal im Aldi waren!
Für den Abend kündigt sich Larry an, um zu begutachten ob wir auch gute Arbeiter sind. Nachdem wir bisher nur telefonisch mit Larry kommuniziert haben und auf Grund der Angaben auf seiner Homepage, auf der auch ein kurzer Werdegang präsentiert wird, ist Larry nach unserer Vorstellung ein mittelalter bis älterer Herr, vielleicht selber Farmer und groß gewachsen, lässt zumindest die tiefe Stimme vermuten. Tatsächlich entpuppt sich Larry als kleiner, aufgepumpter Gartenzwerg italienischer Abstammung mit längeren wallewalle Haaren und 'nem Zahnstocher im Mund. Er trägt ein Baseballcap, Achselshirt (betont natürlich den Oberkörper) und Shorts und ist vielleicht so um die 30 Jahre alt. Insgesamt also das komplette Gegenteil von dem was wir uns vorher ausgemalt haben.
Das Gespräch verläuft ganz locker und wir sind natürlich gute Arbeiter und so ist unser erster Arbeitstag für den übernächsten Tag angesetzt.
Na gut, also doch noch einen Tag zum erholen nur leider nicht in Melbourne sondern in Mildura. Immerhin die Chance nochmal den Kühlschrank aufzufüllen bevor es ans Traubenpflücken geht. Denn dann würden wir selbst den letzten Bus nach Feierabend nicht mehr bekommen.
Mildura ist ein verschlafenes Nest mit ca. 50000 Einwohnern, zur Traubenernte steigt die Einwohnerzahl jedoch um hunderte Backpacker die sich vor allen Dingen hier abmühen um ein Visum für das 2. Jahr in Australien zu bekommen.
Unser 1. Arbeitstag beginnt morgens um 6:30. Larry holt uns am Caravan Park ab, schon an Bort der Limousine sind unsere 4 Arbeitskolleginnen aus Irland + Larry als Fahrer und dann noch wir beide - nicht das ein Missverständnis auftaucht, es handelt sich um einen 5-Sitzer, es wird also direkt kuschelig.
Die Irinnen sind mal total crazy drauf. Auf dem Weg zur Arbeit kommt eine Obszönität nach der anderen und ein dreckiger Witz folgt dem nächsten. Die kommenden Wochen scheinen lustig zu werden.
Auf der Farm werden wir von den Farmern Geri und Jack begrüßt; wir bekommen ein Messerchen in die Hand gedrückt und schon kann der Spaß losgehen. Langsam aber stetig füllt sich Eimerchen um Eimerchen mit vielen vielen Sultana Trauben.

Nach knapp 2 einhalb Stunden brüllen uns die Farmer vom Ende der Weinrebenreihe irgendwas zu... "Smoooookooooo" keine Ahnung was das heißen soll. Sie winken uns heran, also marschieren wir die zum Ende der Reihe und... Super. "Smoko" ist australisch und heißt Kaffee und Zigarettenpause. Auf Geris Pickup stehen also Kaffee und Tee, Sandwiches, Kekse und Kuchen, den Geris Frau gebacken hat, bereit. Damit hatten wir nicht gerechnet, so freuen wir uns umso mehr über die kleine Stärkung für Zwischendurch.

Nach der kurzen Erholung geht es wieder an die Arbeit bis um 16:00 dann schließlich Feierabend ist und wir von Larry wieder im Caravan Park abgesetzt werden.
Das ist so ungefair der Tagesablauf für die nächsten Tage. Außerdem haben wir jetzt neue Spitznamen, denn die australischen Farmer halten sich wohl nicht gerne lange auf mit irgendwelche langen europäischen Namen; so sind wir nun Kat und Steph.
Da es unglaublich heiß ist genießen wir auf dem Campingplatz nach der Arbeit ein Bad im Pool und/oder gönnen uns ein Eis, welches man immerhin auf dem Campingplatz kaufen kann.
Wir stellen schnell fest, dass der Platz in asiatischer Hand ist, denn die meisten Bewohner und auch die Arbeitskräfte kommen irgendwie alle aus Asien. Neben Asiaten scheinen sonst nur noch französischsprachige Menschen dort zu sein und wir. Wir freunden uns mit ein paar frankokanadischen Mädels an, die allem Anschein nach auch noch leidenschaftliche Picker sind.
Während bei uns nach ein paar Tagen schon die Knochen schmerzen, haben die beiden wohl jeden Tag mehr Spaß an ihrem Job. Jedem dass Seine...

Nachdem es entweder mega heiß ist im Zelt oder wir auch bibbernd vor Kälte im Zelt schlafen müssen und es plötzlich auch noch zu regnen beginnt und wir uns nicht sicher sind, ob unser kleines Zelt dem Stand hält (weil wir uns beim Kauf gegen das Zelt mit Wassersäule entschieden haben, weil es teurer war) freuen wir uns als Larry uns mitteilt, dass wir am Ende der Woche ins Hostel ziehen können. Juhu das heißt auch, dass wir einen Supermarkt direkt um die Ecke haben werden.
Nachdem wir auf Geris Farm alle Trauben gepflückt haben, geht es auf Jacks Farm. Der gleiche Job, nur dass Smoko ist nicht so gut wie bei Geri. Während Geris' Frau unglaublich gute Sandwiches gezaubert hat und auch gebacken hat, gibt bei Jack normale Sandwiches und gekauften Kuchen. Aber dafür überrascht er uns Mädels am Valentinstag. Nachdem Michelle (eine der verrückten Irinnen) am Tag zuvor etwas traurig war, dass es keine Blumen zum Valentinstag geben wird, hat Jack für jede Dame ein Blümchen besorgt - eine mega Überraschung als wir uns fürs Smoko im Schuppen treffen.

Wo Michelle an dieser Stelle schon erwähnt wurde, muss hier auch ausführlicher auf diese Person eingegangen werden. Michelle - genannt Wee Trunks - also MiniHosen, ist ca. 1,50 groß und hat von den irischen Mädels die größte Schnüss am Kopp. Diese junge Dame nimmt kein Blatt vor den Mund und teilt jedem der es hören will, oder auch nicht hören will, offenkundig ihre Meinung mit. Dies ist mitunter sehr spaßig und wir haben immer was zu lachen. Leider hat Michelle panische Angst vor allem was Beine oder Flügel hat und dass passt bei der Traubenernte leider nicht so gut.
Zwischen den Trauben findet man immer mal wieder Spinnen, Käfer, Ohrenkneifer, Marchflys (riesige Fliegen) usw. und jedes Mal wenn irgendwas nur in der Nähe ist, fängt Michelle an zu schreien wie am Spieß. Unglücklicherweise wurde direkt zu Anfang der Fehler gemacht ihr zu erzählen, dass man unter Umständen auch die Redback Spider in den Trauben finden kann. Diese Spinne ist die 4. giftigste Spinne die es auf der Welt gibt. Diese Information ist natürlich nicht gerade förderlich, wenn man möchte, dass jemand mit Spinnenphobie als Erntehelfer in den Trauben arbeitet. So hört man in den ersten Tagen ca. alle 5 Min. Schreie als ginge es um Leben und Tod, weil Michelle in jedem Tierchen eine RedbackSpider erkennt. Sobald sie sich von dem ersten Schock dann erholt hat hört man dann nur noch Dinge wie: "Fuck off", "Fuck Sick", "Fuck You", "Fuckin Spider", "Fuckin Flys", "What the Fuck" oder auch einfach nur "Fuck". Da Michelle aus dem schönen Belfast kommt, hat sie einen sehr ausgeprägten irischen Akzent, so ist es für uns anfangs sehr schwer überhaupt irgend etwas zu verstehen was sie sagt und alles was wir aus ihrem gebrabbel herausinterpretieren können, ist eben genanntes.
Unser Umzug ins Hostel bringt Ernüchterung mit sich. Eigentlich dachten wir, dass das Hostel nur eine Verbesserung sein kann, aber als wir in unserem Zimmer ankommen sind wir uns nicht mehr so sicher. Es herrscht das absolute Chaos. Klamotten und Müll fliegt durch das ganze Zimmer, die Lampe ist bereits seit einem Monat kaputt und es gibt kein Aircondition. Bei der Rundführung stellen wir fest, dass auch 2 von 4 Duschen "out of order" sind und dass es auch nur auf einer Toilette Licht gibt. Der Anblick der Küche versetzt uns regelrecht in Schockstarre. Hier liegen Essensreste auf dem Boden, überall dreckiges Geschirr und eine Ameisenstraße führt einmal quer hindurch. Ach du scheiße! Aber wir haben keine andere Wahl. Nirgendwo anders ist was zu bekommen und auf dem Camping Platz können wir ohne fahrbaren Untersatz auch nicht bleiben. Prost Mahlzeit!!!!
Wir arrangieren uns und nehmen das Chaos hin. Im Hostel selbst führt die irische Fraktion das Regiment. Eine ganz neue Situation für uns, denn in allen anderen Hostels in denen wir bisher waren lag die Hochherrschaft bei den deutschen Backpackern. Neben den Iren sind noch die Franzosen mit an der Spitze und dann kommen die Italiener und irgendwann dann kommen erst die Deutschen.

Gerade einen Tag im Hostel schon heißt es PunchNight am Freitagabend. Von unseren kleinen irischen Leprechauns werden wir schon drauf vorbereitet, dass das übel enden wird, denn jeder im Hostel wird sich gnadenlos die Kante geben mit einer fragwürdigen Mischung aus Wodka, Goon und irgendwelchen Sirups was sich zusammen dann Punch nennt.
Es kommt schließlich wie es uns prophezeit wurde, 18:30 (man fängt früh an, damit man ggf. doch noch früh ins Bett kommt falls man arbeiten muss) stehen 5 Kisten a 10(oder mehr) Liter Punch zum feucht fröhlichen Besäufnis bereit und ca. 1 Stunde später ist die Stimmung unter den Hostelbewohnern bereits ganz groß. Wir trinken die 5$ die wir jeweils für den Punch investiert haben wieder rein...und vielleicht auch ein bisschen Passion Pop (sowas wie Asti) und strunkeln ins Bett. Ja und PunchNight ist dann auch jeden Freitag....
Der Farmer Jack hat uns am Samstag zu einem Ausflug eingeladen, damit wir ein bisschen die Gegend kennenlernen. So fahren wir nach Wentworth, schauen uns an wo der Murary River und der Swan River aufeinander stoßen, irgendeinen berühmten Obdachlosen der als Statue verewigt wurde, eine große Walze und dann geht's noch zum Sandborden.
Dazu gibt's ne kleine Geschichtsstunde zu Australien und die Info, dass die Geschichte Australiens erst 250 Jahre alt ist, verstehen unsere kleinen Irinnen leider völlig falsch. Die glauben tatsächlich das der Kontinent Australien erst vor 250 Jahren aus dem Ei geschlüpft ist und machen riesige Augen und können es kaum glauben. Wir haben dabei natürlich unseren Spaß. Naja unseren "day off" haben wir auf jeden Fall gut genutzt und jetzt wissen wir Bescheid was unsere Umgebung angeht.



Montag geht's für uns auf eine neue Farm. Diesmal sind wir bei Bruno und Nancy. Während wir bei den anderen Farmern nur Sultanas gepflückt haben, aus denen man Sultaninen macht, machen wir uns hier auch an die Korinthen, Walthans und Gordos, aus denen Rosinen gemacht werden, ran.
Zu unserem Leidwesen wird anscheinend mit jeder Farm das Smoko schlechter. Bei Nancy und Bruno gibt es entweder Sandwiches oder Muffins oder Rosinenkuchen und der Kaffee ist auch arg dünn. Wie sehne ich mich im Moment nach einem vernünftigen Filterkaffee oder gar einem Latte Macchiato. Hier, wie bei allen Farmern, steht nur beschissener instant Kaffee auf der Tagesordnung - ätzend!
Naja wieder mal die Messer gewetzt und ran an die Trauben.. Tag ein Tag aus.
Nachdem wir bereits eine ordentliche Masse abgearbeitet haben geschieht es in der 2. Woche auf Brunos und Nancys Farm, dass nachts ein unglaublicher Regenschauer nieder geht und es viel zu nass ist um zu pflücken. Wir reisen trotzdem zur Farm an und es heißt erst mal warten... lange fragen wir uns worauf wir warten, bis dann schließlich jemand erwähnt, dass wir darauf warten dass die Weinstöcke trocknen damit wir pflücken können. Das ist wohl eine Wunschvorstellung bei der aktuellem tropischen Wetterlage... so hauen wir nach ca. 1 1/2 Stunden Wartezeit ab und genehmigen uns einen wohlverdienten day off.
In den kommenden Tagen sinkt das Thermometer rapide, so ist es zeitweilig nur 10 Grad und aus Irland erreicht uns die Nachricht, dass es sogar dort wärmer ist als bei uns. Schön auch, dass wir die Winterklamotten zuhause gelassen haben. Wir gehen also im Zwiebellook zur Arbeit, denn Nachmittags ist es dann doch notwendig sich langsam zu entblättern, denn tatsächlich klettert der Temperaturanzeiger von morgentlichen 10 Grad nachmittags auf 35 Grad.
Nach ein paar Tagen normalisiert sich jedoch das Wetter und das Arbeitsleben geht seinen gewohnten Trott.
Das Leben im Hostel geht im Grunde auch seinen gewohnten Trott, da sich die Grüppchen im Hostel länderweise sortieren und wir als deutsche in der Minderheit sind halten wir uns an die deutschen Mädels die im Caravan Park wohnen, aber regelmäßig zu den PunchNights im Hostel auflaufen. Zudem haben wir ein deutsch-australischen Pärchen kennengelernt, die pennen in ihrem Van auf dem Parkplatz vorm Hostel. So haben wir nun auch eine Fraktion der wir angehören.
Nach ca. 3 Wochen Hostelaufenthalt nimmt das Chaos in unserem Zimmer ein Ende. Die Irinnen verlassen nach 4 und teilweise auch 5 Monaten Daueraufenthalt Merbein. Die Hinterlassenschaften: eine Kiste mit äußerst fragwürdigen Klamotten (a la Madonna, aber Madonna aus den 80ern) und einen riesigen Müllhaufen. Um ehrlich zu sein sind wir auch nicht so traurig, dass die Mädels weg sind. Sie waren ganz nett, aber nett ist bekanntermaßen ja auch die kleine Schwester von Scheiße.
Wir können nun auch von der ersten Etage unseres Etagenbettes ins Erdgeschoss ziehen, nach 4 Jahren Münster und dem ewigen gekraxel ins Hochbett genießen wir nun, wenn wir mal nicht klettern müssen.
Nachdem der ganze Müll beseitigt ist und ordentlich gestaubsaugt, erstrahlt das Zimmer im neuen Glanze. Zum vollkommenen Glück fehlt jetzt nur noch ein Licht. Man kann nicht alles haben!
Da man nicht soviel in Merbein machen kann,( hier gibt's einen Supermarkt, eine Bank und ein Freibad) planen wir was vernünftiges zu unternehmen an unserem freien Tag in der Woche und suchen uns das Kino als wohlverdiente Belohnung für eine harte Arbeitswoche aus. Der Busfahrplan schränkt unsere Planung jedoch etwas ein, denn der Bus fährt am Samstag nur 4 mal und der letzte Bus zurück ins Hostel geht um 4. Die Lösung: Wir gehen bereits um halb 10 ins Kino, der Film: "Save Haven" basierend auf dem Buch von Nicholas Sparks, also ein richtiger Mädchenfilm. Schön!!!
Schnell noch in den Supermarkt und Chips und Gummibärchen gekauft und der Tag ist perfekt! So einfach kann man einen glücklich machen nach mittlerweile 4 Wochen Traubenernte irgendwo in der Wallapampa in Victoria - Australien.
Am 17. März ist St. Patricks Day. Bruno gibt uns netterweise und vor allen Dingen wegen Michelle, weil sie sicher nicht nüchtern zur Arbeit erscheinen würde, das ganze Wochenende frei. Wir freuen uns mega auf ein Party Weekend und planen als Wochenendgetränk Wodka Raspberry.
Wie an jedem Freitag der Woche ist auch heute Zahltag bei Larry an und er fragt natürlich prommt, ob wir nicht Lust auf einen Job am Wochenende hätten.
Weil wir nun mal hierher gekommen sind, um zu arbeiten und vor allen Dingen um Geld zu verdienen und in der letzten Woche der Scheck leider nicht so gut ausgefallen ist wie wir und das erhofft haben, entscheiden wir uns doch zu arbeiten. Das heißt andersherum aber nicht, dass wir jetzt gaaar nicht feiern. Ein bisschen St. Paddys Day Feierei muss drin sein... schließlich haben wir schon den Wodka Raspberry organisiert (schwarz gebrannt von einem Farmer).

Am ersten Tag auf Cols' Farm kommt uns alles ein bisschen spanisch vor. Zunächst sind wir die einzigen die dort arbeiten, was bisher nie so war; wir waren immer mit mehreren Pickern am Start. Nachher tauchen noch 2 weitere dubiose Traubenpflücker auf. Der eine sieht aus wie ein Indianer, hat aber leider keine Zähne im Mund ist aber immerhin 8facher Familienvater, der andere ist weniger auffällig. Und Col scheint auch ein ganz lustiger Geselle sein und haut einen "Witz" nach dem anderen raus, er lacht zumindest immer über das was er sagt. Wir verstehen seine Witze aber nicht und lachen aus Unsicherheit trotzdem einfach mal mit.
Für uns heißt es hier mal wieder Sultanas pflücken, leider ist die Sultana Saison schon vorbei und die Trauben fallen fast alle auf den Boden. So bekommen wir unsere Eimerchen nur schwerlich voll, aber auch egal. Ein paar Dollar extra am Wochenende reicht. Wir geben uns erst gar keine Mühe vernünftig zu arbeiten. Irgenwie zählt der Farmer unsere Eimerchen auch nicht. Auf den anderen Farmen haben die Eimeraufsammler immer die Eimer gezählt die wir gepickt haben, weil wir ja pro Eimer bezahlt werden. Col scheint das scheißegal zu sein. Der fragt uns immer wie viele Eimer wir schon haben...wie gesagt, alles etwas komisch auf der Farm.
Wie vorgehabt feiern wir Abends den St. Paddys Day und unser Wodka sorgt bei uns für beste Stimmung. Das ganze Hostel feiert mit den Iren und die Stimmung ist groß. Auf Grund dessen schaffen wir es auch erst spät ins Bett und auch erst spät wieder raus... so kommen wir am nächsten Tag etwas nach der Zeit auf der Farm an, scheint aber keinem aufzufallen. Da wir noch ziemlich müde sind und auch wenig motiviert sind und vielleicht auch einen leichten Hangover haben, geht die Arbeit nur schleppend voran und um 3 hissen wir die Segel und hauen ab. Das zusätzliche Wochenende Arbeit hat sich nicht wirklich gelohnt, denken wir uns rechnen vielleicht mit 50 - 60$ Lohn für die beiden Tage. Umso mehr freuen wir uns, als wir am nächsten Tag jeder 100$ Cash in die Hand gedrückt bekommen. Die haben wir definitiv nicht verdient, soviele Eimer haben wir im Leben nicht gepflückt am Wochenende, aber egal. Wir nehmen die Kohle und stiefeln auf dem schnellsten Wege von der Farm bevor Col uns die Kohle wieder abnimmt.
Wieder zurück bei Bruno und Nancy auf der Farm wird die letzte Woche eingeleutet. Juhuuu...nach 5 Wochen auf dieser Farm beenden wir 21.03. unsere Arbeit dort! Auch wenn unser Aufenthalt in Merbein und damit die Arbeit noch nicht beendet ist, freuen wir uns tierisch, dass wir die Arbeit auf dieser Farm hinter uns gebracht haben...
Der nächste Job lässt nicht lange auf sich warten; bei Andrew verbringen wir zwei Arbeitstage mit Pruning und Crown Picking also Weinreben zurechtstutzen und die oberen Trauben pflücken, um diese dann auf Leinen zu hängen. Nachdem wir diesen Job beenden verspricht und Larry mit dem nächsten Job eine Überraschung und tatsächlich...es hat nichts mit Trauben zu tun, aber die Überraschung gefällt uns zunächst mal gar nicht, denn für uns heißt es nun Knoblauchen pflanzen. Man möge sich nun mal vorstellen mit welchem Gestank man zu kämpfen hat wenn man bei 33° mit einem Kontainer Knoblauch konfrontiert wird. Es ist nicht schön! Zunächst ist unsere Aufgabe die einzelnen Knoblauchzehen auseinander zu piddeln, um diese dann später einzupflanzen. Zum einpflanzen werden die Zehen fein säuberlich in Zweierreihen in die Erde gedrückt. Das gibt ordentlich Rücken bzw. mit der speziellen Einpflanztechnik geht das ganze massiv auf die Gesäßmuskulatur. Natürlich riechen die Finger am Ende des Arbeitstages ordentlich nach Knofi und auch die Dusche nach der Arbeit hilft nicht besonders gegen den Knoblauchgeruch, aber der Lohn für die Arbeit lässt unsere Augen leuchten und so laufen wir gerne ein paar Tage mit einer Nuance Knoblauchgeruch durch die Gegend.
Im Hostel herrscht derweil große Aufbruchstimmung, die ganzen Franzosen die auch während der 2 Monate die wir nun in Mildura sind mit uns im Hostel verbracht haben (6 Frenchis) , als auch unsere Landesgenossen Lukas und Tanja und Jenny und Scott verlassen das Hostel. Katharina und ich sitzen jetzt noch mit Max und Moritz (kein Scherz) als einzige Deutsche bei Larry im Hostel rum.
Doch während sich alle verdünnisieren und wir nun zu 2. ein 8 Bett Zimmer bewohnen, hat sich heimlich, still und leise ein ungebetener Mitbewohner bei uns breit gemacht.
Eines freien Tages als Katharina und Steffi sich zu Tode langweilen und nur auf dem Zimmer hocken, huscht plötzlich etwas über den Boden. Oh schreck! Schnell vom Bett gesprungen unter die Kommode geschaut aber, nichts. Dann huscht wieder etwas ganz Flink über den Teppich...und dann ein spitzer Schrei "Ahhhhh.." Es ist eine Maus. Das Mauseloch ist direkt neben Katharinas Bett.
Was bei Pipi Langstrumpf einst zu Weihnachten war, nämlich auch eine kleine Maus, die dann eine riesen Portion Käse geschenkt bekommen hat haben wir nun also zu Ostern. Von uns bekommt sie Oreo Kekse, Cornflakes und Erdnüsse und einen Namen. Sie heißt jetzt Tinkerbell.
Mit Scott und Jenny machen wir zudem Ostereiersuche und ein wunderschönes Osterfrühstück. Hier findet sich dann der German Clan zusammen - also auch noch Lukas und Tanja aus Deutschland. Richtig cool!
Nach Ostern überrascht uns dann auch noch Larry... diesmal tatsächlich positiv, denn unser neuer Job ist in der Factory. Hier müssen wir die Trauben die wir geerntet haben und inzwischen zu Rosinen geworden sind von Zweigen und Steinen befreien und dann in Kartons verpacken... dass passiert natürlich auch alles mit Hilfe von Maschinen. So haben wir jetzt den ganzen Kreislauf von der Traube bis zur Müsli Rosine einmal miterlebt - jetzt sollen die von der Sendung mit der Maus hier anrücken und einen Film drehen. Hoffentlich kommen die bald!!!
To be continued...
Nachdem wir uns von unserem Road Trip ein paar Tage in Melbourne erholen konnten und eigentlich auch nicht viel dort gemacht haben; ein kleines bisschen sightseeing, shopping, rummgammeln und den Genuss eines Aldis (der "german Supermarkt") in fußläufiger Umgebung, mit allerhand Produkten die wir auch von zuhause kennen, mussten wir uns wieder dem Ernst des Lebens zuwenden und uns um einen Job kümmern.
Zunächst haben wir überlegt, dass wir am besten als Nanny arbeiten und haben ganze 5 Bewerbungen rausgeschickt und es hat sich tatsächlich niemand gemeldet :( Dann sind wir wieder zu unserer ursprünglichen Idee zurückgekehrt unser Glück als Erntehelfer zu versuchen.
Unser Couchsurf-Host aus Adelaide, der gute James, hat uns da glücklicherweise mit Insiderwissen versorgt und einem Namen. Auf der Homepage OneBigFamily.com.au finden wir auch die passende Nummer zum Namen und schon haben wir einen Job - Traubenernte heißt der Weg zum Geld. Prima, das ging ja einfach... Doch schnell zeigt sich der Haken an der Sache: Wir haben zwar einen Job, aber Larry, so der Name desjenigen welcher, kann uns keine Betten in seinem Hostel anbieten, da alles voll belegt ist. "Egal" denken wir uns, hauptsache ein Job, ein Bett finden wir schon noch woanders.
Dies stellt sich jedoch schnell als eine absolute Fehleinschätzung heraus. In keinem Hostel, Hotel, Motel oder sonst irgendwas ist noch ein Bett frei alles komplett ausgebucht und zwar von Backpackern die zur Traubensaison als Erntehelfer arbeiten. Uns bleibt keine andere Möglichkeit als ein Zelt zu kaufen, ne schicke Luftmatratze und wir gönnen uns auch noch ne Lampe, damit wir Nachts was sehen können. Für die nächste Woche heißt unsere Adresse River Road Caravan Park irgendwo im Nirgendwo zwischen Mildura und Merbein, Victoria - Australien.
Nachdem alle Vorbereitungen getroffen sind wollen wir die letzten beiden Tage in Melbourne noch genießen bevor es ans Schuften geht.
Als wir uns gerade mit einem leckeren marokkanischen Eintopf zum Mitnehmen vor der State Library auf die Wiese hocken kommt ein Anruf von Larry und der Plan, noch einen weiteren Tag in Melbourne genießen zu können, löst sich in Luft auf. Wir sollen doch früher anreisen, weil der Job einen Tag früher beginnt als geplant.
So geht unser nächster Weg zum Bahnhof Zugtickets besorgen und danach wieder ins Hostel, Sachen packen und am nächsten morgen um kurz nach 7 stehen wir am Gleis und steigen in den Zug nach Swan Hill, um von dort mit dem Bus nach Mildura zu fahren. Von Melbourne aus dauert die Anreise 8 Stunden. Mittlerweile ist es für uns jedoch zur Gewohnheit geworden ständig auf Achse zu sein und somit gehen die 8 Stunden auch schnell herum.
In Mildura angekommen gönnen wir uns das Taxi zum Caravan Park und lernen vom Taxifahrer, dass unser "australian" hervorragend ist und er damit unser mittelprächtiges Englisch meint - aber Danke für die Blumen.
Nachdem wir unser Zelt aufgebaut haben checken wir erst einmal die Lage aus. Küche, BBQ und Pool sind vorhanden. Der Busfahrplan lässt allerdings Böses ahnen. So fährt der öffentliche Nahverkehr zwischen Merbein und Mildura nur 4 mal täglich und der letzte Bus kommt um halb 4. Der nächste Supermarkt ist ca. 3 km entfernt und das Thermometer schreibt 42°. Gut, dass wir in Melbourne nochmal im Aldi waren!
Für den Abend kündigt sich Larry an, um zu begutachten ob wir auch gute Arbeiter sind. Nachdem wir bisher nur telefonisch mit Larry kommuniziert haben und auf Grund der Angaben auf seiner Homepage, auf der auch ein kurzer Werdegang präsentiert wird, ist Larry nach unserer Vorstellung ein mittelalter bis älterer Herr, vielleicht selber Farmer und groß gewachsen, lässt zumindest die tiefe Stimme vermuten. Tatsächlich entpuppt sich Larry als kleiner, aufgepumpter Gartenzwerg italienischer Abstammung mit längeren wallewalle Haaren und 'nem Zahnstocher im Mund. Er trägt ein Baseballcap, Achselshirt (betont natürlich den Oberkörper) und Shorts und ist vielleicht so um die 30 Jahre alt. Insgesamt also das komplette Gegenteil von dem was wir uns vorher ausgemalt haben.
Das Gespräch verläuft ganz locker und wir sind natürlich gute Arbeiter und so ist unser erster Arbeitstag für den übernächsten Tag angesetzt.
Na gut, also doch noch einen Tag zum erholen nur leider nicht in Melbourne sondern in Mildura. Immerhin die Chance nochmal den Kühlschrank aufzufüllen bevor es ans Traubenpflücken geht. Denn dann würden wir selbst den letzten Bus nach Feierabend nicht mehr bekommen.
Mildura ist ein verschlafenes Nest mit ca. 50000 Einwohnern, zur Traubenernte steigt die Einwohnerzahl jedoch um hunderte Backpacker die sich vor allen Dingen hier abmühen um ein Visum für das 2. Jahr in Australien zu bekommen.
Unser 1. Arbeitstag beginnt morgens um 6:30. Larry holt uns am Caravan Park ab, schon an Bort der Limousine sind unsere 4 Arbeitskolleginnen aus Irland + Larry als Fahrer und dann noch wir beide - nicht das ein Missverständnis auftaucht, es handelt sich um einen 5-Sitzer, es wird also direkt kuschelig.
Die Irinnen sind mal total crazy drauf. Auf dem Weg zur Arbeit kommt eine Obszönität nach der anderen und ein dreckiger Witz folgt dem nächsten. Die kommenden Wochen scheinen lustig zu werden.
Auf der Farm werden wir von den Farmern Geri und Jack begrüßt; wir bekommen ein Messerchen in die Hand gedrückt und schon kann der Spaß losgehen. Langsam aber stetig füllt sich Eimerchen um Eimerchen mit vielen vielen Sultana Trauben.

Nach knapp 2 einhalb Stunden brüllen uns die Farmer vom Ende der Weinrebenreihe irgendwas zu... "Smoooookooooo" keine Ahnung was das heißen soll. Sie winken uns heran, also marschieren wir die zum Ende der Reihe und... Super. "Smoko" ist australisch und heißt Kaffee und Zigarettenpause. Auf Geris Pickup stehen also Kaffee und Tee, Sandwiches, Kekse und Kuchen, den Geris Frau gebacken hat, bereit. Damit hatten wir nicht gerechnet, so freuen wir uns umso mehr über die kleine Stärkung für Zwischendurch.

Nach der kurzen Erholung geht es wieder an die Arbeit bis um 16:00 dann schließlich Feierabend ist und wir von Larry wieder im Caravan Park abgesetzt werden.
Das ist so ungefair der Tagesablauf für die nächsten Tage. Außerdem haben wir jetzt neue Spitznamen, denn die australischen Farmer halten sich wohl nicht gerne lange auf mit irgendwelche langen europäischen Namen; so sind wir nun Kat und Steph.
Da es unglaublich heiß ist genießen wir auf dem Campingplatz nach der Arbeit ein Bad im Pool und/oder gönnen uns ein Eis, welches man immerhin auf dem Campingplatz kaufen kann.
Wir stellen schnell fest, dass der Platz in asiatischer Hand ist, denn die meisten Bewohner und auch die Arbeitskräfte kommen irgendwie alle aus Asien. Neben Asiaten scheinen sonst nur noch französischsprachige Menschen dort zu sein und wir. Wir freunden uns mit ein paar frankokanadischen Mädels an, die allem Anschein nach auch noch leidenschaftliche Picker sind.
Während bei uns nach ein paar Tagen schon die Knochen schmerzen, haben die beiden wohl jeden Tag mehr Spaß an ihrem Job. Jedem dass Seine...

Nachdem es entweder mega heiß ist im Zelt oder wir auch bibbernd vor Kälte im Zelt schlafen müssen und es plötzlich auch noch zu regnen beginnt und wir uns nicht sicher sind, ob unser kleines Zelt dem Stand hält (weil wir uns beim Kauf gegen das Zelt mit Wassersäule entschieden haben, weil es teurer war) freuen wir uns als Larry uns mitteilt, dass wir am Ende der Woche ins Hostel ziehen können. Juhu das heißt auch, dass wir einen Supermarkt direkt um die Ecke haben werden.
Nachdem wir auf Geris Farm alle Trauben gepflückt haben, geht es auf Jacks Farm. Der gleiche Job, nur dass Smoko ist nicht so gut wie bei Geri. Während Geris' Frau unglaublich gute Sandwiches gezaubert hat und auch gebacken hat, gibt bei Jack normale Sandwiches und gekauften Kuchen. Aber dafür überrascht er uns Mädels am Valentinstag. Nachdem Michelle (eine der verrückten Irinnen) am Tag zuvor etwas traurig war, dass es keine Blumen zum Valentinstag geben wird, hat Jack für jede Dame ein Blümchen besorgt - eine mega Überraschung als wir uns fürs Smoko im Schuppen treffen.

Wo Michelle an dieser Stelle schon erwähnt wurde, muss hier auch ausführlicher auf diese Person eingegangen werden. Michelle - genannt Wee Trunks - also MiniHosen, ist ca. 1,50 groß und hat von den irischen Mädels die größte Schnüss am Kopp. Diese junge Dame nimmt kein Blatt vor den Mund und teilt jedem der es hören will, oder auch nicht hören will, offenkundig ihre Meinung mit. Dies ist mitunter sehr spaßig und wir haben immer was zu lachen. Leider hat Michelle panische Angst vor allem was Beine oder Flügel hat und dass passt bei der Traubenernte leider nicht so gut.
Zwischen den Trauben findet man immer mal wieder Spinnen, Käfer, Ohrenkneifer, Marchflys (riesige Fliegen) usw. und jedes Mal wenn irgendwas nur in der Nähe ist, fängt Michelle an zu schreien wie am Spieß. Unglücklicherweise wurde direkt zu Anfang der Fehler gemacht ihr zu erzählen, dass man unter Umständen auch die Redback Spider in den Trauben finden kann. Diese Spinne ist die 4. giftigste Spinne die es auf der Welt gibt. Diese Information ist natürlich nicht gerade förderlich, wenn man möchte, dass jemand mit Spinnenphobie als Erntehelfer in den Trauben arbeitet. So hört man in den ersten Tagen ca. alle 5 Min. Schreie als ginge es um Leben und Tod, weil Michelle in jedem Tierchen eine RedbackSpider erkennt. Sobald sie sich von dem ersten Schock dann erholt hat hört man dann nur noch Dinge wie: "Fuck off", "Fuck Sick", "Fuck You", "Fuckin Spider", "Fuckin Flys", "What the Fuck" oder auch einfach nur "Fuck". Da Michelle aus dem schönen Belfast kommt, hat sie einen sehr ausgeprägten irischen Akzent, so ist es für uns anfangs sehr schwer überhaupt irgend etwas zu verstehen was sie sagt und alles was wir aus ihrem gebrabbel herausinterpretieren können, ist eben genanntes.
Unser Umzug ins Hostel bringt Ernüchterung mit sich. Eigentlich dachten wir, dass das Hostel nur eine Verbesserung sein kann, aber als wir in unserem Zimmer ankommen sind wir uns nicht mehr so sicher. Es herrscht das absolute Chaos. Klamotten und Müll fliegt durch das ganze Zimmer, die Lampe ist bereits seit einem Monat kaputt und es gibt kein Aircondition. Bei der Rundführung stellen wir fest, dass auch 2 von 4 Duschen "out of order" sind und dass es auch nur auf einer Toilette Licht gibt. Der Anblick der Küche versetzt uns regelrecht in Schockstarre. Hier liegen Essensreste auf dem Boden, überall dreckiges Geschirr und eine Ameisenstraße führt einmal quer hindurch. Ach du scheiße! Aber wir haben keine andere Wahl. Nirgendwo anders ist was zu bekommen und auf dem Camping Platz können wir ohne fahrbaren Untersatz auch nicht bleiben. Prost Mahlzeit!!!!
Wir arrangieren uns und nehmen das Chaos hin. Im Hostel selbst führt die irische Fraktion das Regiment. Eine ganz neue Situation für uns, denn in allen anderen Hostels in denen wir bisher waren lag die Hochherrschaft bei den deutschen Backpackern. Neben den Iren sind noch die Franzosen mit an der Spitze und dann kommen die Italiener und irgendwann dann kommen erst die Deutschen.

Gerade einen Tag im Hostel schon heißt es PunchNight am Freitagabend. Von unseren kleinen irischen Leprechauns werden wir schon drauf vorbereitet, dass das übel enden wird, denn jeder im Hostel wird sich gnadenlos die Kante geben mit einer fragwürdigen Mischung aus Wodka, Goon und irgendwelchen Sirups was sich zusammen dann Punch nennt.
Es kommt schließlich wie es uns prophezeit wurde, 18:30 (man fängt früh an, damit man ggf. doch noch früh ins Bett kommt falls man arbeiten muss) stehen 5 Kisten a 10(oder mehr) Liter Punch zum feucht fröhlichen Besäufnis bereit und ca. 1 Stunde später ist die Stimmung unter den Hostelbewohnern bereits ganz groß. Wir trinken die 5$ die wir jeweils für den Punch investiert haben wieder rein...und vielleicht auch ein bisschen Passion Pop (sowas wie Asti) und strunkeln ins Bett. Ja und PunchNight ist dann auch jeden Freitag....
Der Farmer Jack hat uns am Samstag zu einem Ausflug eingeladen, damit wir ein bisschen die Gegend kennenlernen. So fahren wir nach Wentworth, schauen uns an wo der Murary River und der Swan River aufeinander stoßen, irgendeinen berühmten Obdachlosen der als Statue verewigt wurde, eine große Walze und dann geht's noch zum Sandborden.
Dazu gibt's ne kleine Geschichtsstunde zu Australien und die Info, dass die Geschichte Australiens erst 250 Jahre alt ist, verstehen unsere kleinen Irinnen leider völlig falsch. Die glauben tatsächlich das der Kontinent Australien erst vor 250 Jahren aus dem Ei geschlüpft ist und machen riesige Augen und können es kaum glauben. Wir haben dabei natürlich unseren Spaß. Naja unseren "day off" haben wir auf jeden Fall gut genutzt und jetzt wissen wir Bescheid was unsere Umgebung angeht.



Montag geht's für uns auf eine neue Farm. Diesmal sind wir bei Bruno und Nancy. Während wir bei den anderen Farmern nur Sultanas gepflückt haben, aus denen man Sultaninen macht, machen wir uns hier auch an die Korinthen, Walthans und Gordos, aus denen Rosinen gemacht werden, ran.
Zu unserem Leidwesen wird anscheinend mit jeder Farm das Smoko schlechter. Bei Nancy und Bruno gibt es entweder Sandwiches oder Muffins oder Rosinenkuchen und der Kaffee ist auch arg dünn. Wie sehne ich mich im Moment nach einem vernünftigen Filterkaffee oder gar einem Latte Macchiato. Hier, wie bei allen Farmern, steht nur beschissener instant Kaffee auf der Tagesordnung - ätzend!
Naja wieder mal die Messer gewetzt und ran an die Trauben.. Tag ein Tag aus.
Nachdem wir bereits eine ordentliche Masse abgearbeitet haben geschieht es in der 2. Woche auf Brunos und Nancys Farm, dass nachts ein unglaublicher Regenschauer nieder geht und es viel zu nass ist um zu pflücken. Wir reisen trotzdem zur Farm an und es heißt erst mal warten... lange fragen wir uns worauf wir warten, bis dann schließlich jemand erwähnt, dass wir darauf warten dass die Weinstöcke trocknen damit wir pflücken können. Das ist wohl eine Wunschvorstellung bei der aktuellem tropischen Wetterlage... so hauen wir nach ca. 1 1/2 Stunden Wartezeit ab und genehmigen uns einen wohlverdienten day off.
In den kommenden Tagen sinkt das Thermometer rapide, so ist es zeitweilig nur 10 Grad und aus Irland erreicht uns die Nachricht, dass es sogar dort wärmer ist als bei uns. Schön auch, dass wir die Winterklamotten zuhause gelassen haben. Wir gehen also im Zwiebellook zur Arbeit, denn Nachmittags ist es dann doch notwendig sich langsam zu entblättern, denn tatsächlich klettert der Temperaturanzeiger von morgentlichen 10 Grad nachmittags auf 35 Grad.
Nach ein paar Tagen normalisiert sich jedoch das Wetter und das Arbeitsleben geht seinen gewohnten Trott.
Das Leben im Hostel geht im Grunde auch seinen gewohnten Trott, da sich die Grüppchen im Hostel länderweise sortieren und wir als deutsche in der Minderheit sind halten wir uns an die deutschen Mädels die im Caravan Park wohnen, aber regelmäßig zu den PunchNights im Hostel auflaufen. Zudem haben wir ein deutsch-australischen Pärchen kennengelernt, die pennen in ihrem Van auf dem Parkplatz vorm Hostel. So haben wir nun auch eine Fraktion der wir angehören.
Nach ca. 3 Wochen Hostelaufenthalt nimmt das Chaos in unserem Zimmer ein Ende. Die Irinnen verlassen nach 4 und teilweise auch 5 Monaten Daueraufenthalt Merbein. Die Hinterlassenschaften: eine Kiste mit äußerst fragwürdigen Klamotten (a la Madonna, aber Madonna aus den 80ern) und einen riesigen Müllhaufen. Um ehrlich zu sein sind wir auch nicht so traurig, dass die Mädels weg sind. Sie waren ganz nett, aber nett ist bekanntermaßen ja auch die kleine Schwester von Scheiße.
Wir können nun auch von der ersten Etage unseres Etagenbettes ins Erdgeschoss ziehen, nach 4 Jahren Münster und dem ewigen gekraxel ins Hochbett genießen wir nun, wenn wir mal nicht klettern müssen.
Nachdem der ganze Müll beseitigt ist und ordentlich gestaubsaugt, erstrahlt das Zimmer im neuen Glanze. Zum vollkommenen Glück fehlt jetzt nur noch ein Licht. Man kann nicht alles haben!
Da man nicht soviel in Merbein machen kann,( hier gibt's einen Supermarkt, eine Bank und ein Freibad) planen wir was vernünftiges zu unternehmen an unserem freien Tag in der Woche und suchen uns das Kino als wohlverdiente Belohnung für eine harte Arbeitswoche aus. Der Busfahrplan schränkt unsere Planung jedoch etwas ein, denn der Bus fährt am Samstag nur 4 mal und der letzte Bus zurück ins Hostel geht um 4. Die Lösung: Wir gehen bereits um halb 10 ins Kino, der Film: "Save Haven" basierend auf dem Buch von Nicholas Sparks, also ein richtiger Mädchenfilm. Schön!!!
Schnell noch in den Supermarkt und Chips und Gummibärchen gekauft und der Tag ist perfekt! So einfach kann man einen glücklich machen nach mittlerweile 4 Wochen Traubenernte irgendwo in der Wallapampa in Victoria - Australien.
Am 17. März ist St. Patricks Day. Bruno gibt uns netterweise und vor allen Dingen wegen Michelle, weil sie sicher nicht nüchtern zur Arbeit erscheinen würde, das ganze Wochenende frei. Wir freuen uns mega auf ein Party Weekend und planen als Wochenendgetränk Wodka Raspberry.
Wie an jedem Freitag der Woche ist auch heute Zahltag bei Larry an und er fragt natürlich prommt, ob wir nicht Lust auf einen Job am Wochenende hätten.
Weil wir nun mal hierher gekommen sind, um zu arbeiten und vor allen Dingen um Geld zu verdienen und in der letzten Woche der Scheck leider nicht so gut ausgefallen ist wie wir und das erhofft haben, entscheiden wir uns doch zu arbeiten. Das heißt andersherum aber nicht, dass wir jetzt gaaar nicht feiern. Ein bisschen St. Paddys Day Feierei muss drin sein... schließlich haben wir schon den Wodka Raspberry organisiert (schwarz gebrannt von einem Farmer).

Am ersten Tag auf Cols' Farm kommt uns alles ein bisschen spanisch vor. Zunächst sind wir die einzigen die dort arbeiten, was bisher nie so war; wir waren immer mit mehreren Pickern am Start. Nachher tauchen noch 2 weitere dubiose Traubenpflücker auf. Der eine sieht aus wie ein Indianer, hat aber leider keine Zähne im Mund ist aber immerhin 8facher Familienvater, der andere ist weniger auffällig. Und Col scheint auch ein ganz lustiger Geselle sein und haut einen "Witz" nach dem anderen raus, er lacht zumindest immer über das was er sagt. Wir verstehen seine Witze aber nicht und lachen aus Unsicherheit trotzdem einfach mal mit.
Für uns heißt es hier mal wieder Sultanas pflücken, leider ist die Sultana Saison schon vorbei und die Trauben fallen fast alle auf den Boden. So bekommen wir unsere Eimerchen nur schwerlich voll, aber auch egal. Ein paar Dollar extra am Wochenende reicht. Wir geben uns erst gar keine Mühe vernünftig zu arbeiten. Irgenwie zählt der Farmer unsere Eimerchen auch nicht. Auf den anderen Farmen haben die Eimeraufsammler immer die Eimer gezählt die wir gepickt haben, weil wir ja pro Eimer bezahlt werden. Col scheint das scheißegal zu sein. Der fragt uns immer wie viele Eimer wir schon haben...wie gesagt, alles etwas komisch auf der Farm.
Wie vorgehabt feiern wir Abends den St. Paddys Day und unser Wodka sorgt bei uns für beste Stimmung. Das ganze Hostel feiert mit den Iren und die Stimmung ist groß. Auf Grund dessen schaffen wir es auch erst spät ins Bett und auch erst spät wieder raus... so kommen wir am nächsten Tag etwas nach der Zeit auf der Farm an, scheint aber keinem aufzufallen. Da wir noch ziemlich müde sind und auch wenig motiviert sind und vielleicht auch einen leichten Hangover haben, geht die Arbeit nur schleppend voran und um 3 hissen wir die Segel und hauen ab. Das zusätzliche Wochenende Arbeit hat sich nicht wirklich gelohnt, denken wir uns rechnen vielleicht mit 50 - 60$ Lohn für die beiden Tage. Umso mehr freuen wir uns, als wir am nächsten Tag jeder 100$ Cash in die Hand gedrückt bekommen. Die haben wir definitiv nicht verdient, soviele Eimer haben wir im Leben nicht gepflückt am Wochenende, aber egal. Wir nehmen die Kohle und stiefeln auf dem schnellsten Wege von der Farm bevor Col uns die Kohle wieder abnimmt.
Wieder zurück bei Bruno und Nancy auf der Farm wird die letzte Woche eingeleutet. Juhuuu...nach 5 Wochen auf dieser Farm beenden wir 21.03. unsere Arbeit dort! Auch wenn unser Aufenthalt in Merbein und damit die Arbeit noch nicht beendet ist, freuen wir uns tierisch, dass wir die Arbeit auf dieser Farm hinter uns gebracht haben...
Der nächste Job lässt nicht lange auf sich warten; bei Andrew verbringen wir zwei Arbeitstage mit Pruning und Crown Picking also Weinreben zurechtstutzen und die oberen Trauben pflücken, um diese dann auf Leinen zu hängen. Nachdem wir diesen Job beenden verspricht und Larry mit dem nächsten Job eine Überraschung und tatsächlich...es hat nichts mit Trauben zu tun, aber die Überraschung gefällt uns zunächst mal gar nicht, denn für uns heißt es nun Knoblauchen pflanzen. Man möge sich nun mal vorstellen mit welchem Gestank man zu kämpfen hat wenn man bei 33° mit einem Kontainer Knoblauch konfrontiert wird. Es ist nicht schön! Zunächst ist unsere Aufgabe die einzelnen Knoblauchzehen auseinander zu piddeln, um diese dann später einzupflanzen. Zum einpflanzen werden die Zehen fein säuberlich in Zweierreihen in die Erde gedrückt. Das gibt ordentlich Rücken bzw. mit der speziellen Einpflanztechnik geht das ganze massiv auf die Gesäßmuskulatur. Natürlich riechen die Finger am Ende des Arbeitstages ordentlich nach Knofi und auch die Dusche nach der Arbeit hilft nicht besonders gegen den Knoblauchgeruch, aber der Lohn für die Arbeit lässt unsere Augen leuchten und so laufen wir gerne ein paar Tage mit einer Nuance Knoblauchgeruch durch die Gegend.
Im Hostel herrscht derweil große Aufbruchstimmung, die ganzen Franzosen die auch während der 2 Monate die wir nun in Mildura sind mit uns im Hostel verbracht haben (6 Frenchis) , als auch unsere Landesgenossen Lukas und Tanja und Jenny und Scott verlassen das Hostel. Katharina und ich sitzen jetzt noch mit Max und Moritz (kein Scherz) als einzige Deutsche bei Larry im Hostel rum.
Doch während sich alle verdünnisieren und wir nun zu 2. ein 8 Bett Zimmer bewohnen, hat sich heimlich, still und leise ein ungebetener Mitbewohner bei uns breit gemacht.
Eines freien Tages als Katharina und Steffi sich zu Tode langweilen und nur auf dem Zimmer hocken, huscht plötzlich etwas über den Boden. Oh schreck! Schnell vom Bett gesprungen unter die Kommode geschaut aber, nichts. Dann huscht wieder etwas ganz Flink über den Teppich...und dann ein spitzer Schrei "Ahhhhh.." Es ist eine Maus. Das Mauseloch ist direkt neben Katharinas Bett.
Was bei Pipi Langstrumpf einst zu Weihnachten war, nämlich auch eine kleine Maus, die dann eine riesen Portion Käse geschenkt bekommen hat haben wir nun also zu Ostern. Von uns bekommt sie Oreo Kekse, Cornflakes und Erdnüsse und einen Namen. Sie heißt jetzt Tinkerbell.
Mit Scott und Jenny machen wir zudem Ostereiersuche und ein wunderschönes Osterfrühstück. Hier findet sich dann der German Clan zusammen - also auch noch Lukas und Tanja aus Deutschland. Richtig cool!
Nach Ostern überrascht uns dann auch noch Larry... diesmal tatsächlich positiv, denn unser neuer Job ist in der Factory. Hier müssen wir die Trauben die wir geerntet haben und inzwischen zu Rosinen geworden sind von Zweigen und Steinen befreien und dann in Kartons verpacken... dass passiert natürlich auch alles mit Hilfe von Maschinen. So haben wir jetzt den ganzen Kreislauf von der Traube bis zur Müsli Rosine einmal miterlebt - jetzt sollen die von der Sendung mit der Maus hier anrücken und einen Film drehen. Hoffentlich kommen die bald!!!
To be continued...
SteffiKatharina - 8. Apr, 08:43

